Trip Report: Ukraine

Ende September war es soweit und ich habe mich auf eine Reise gewagt, welche ich schon lange durchführen wollte. Das Kernziel der Reise: So viel Antonov fliegen, wie es möglich ist!

An einem trüben Sonntag ging es dann los. Ein Airbus A320 der SWISS flog mich nach Kiew Boryspil, von wo ich mit einem Taxi in die Innenstadt fuhr. Dort angekommen habe ich zu aller erst mein Hotelzimmer bezogen und mich eingerichtet, bevor ich zu Fuss weiter an den Maidan-Platz ging. In den ersten Stunden begegnete mir Kiew als sehr aufgeschlossen und westlich orientiert, obwohl es immer wieder einige Herausforderungen zu bewältigen gab. Gerade die ältere Bevölkerung konnte noch nicht auf englisch kommunizieren und die Vergangenheit der Ukraine war überall präsent.

Am zweiten Tag war ich auch wieder viel zu Fuss unterwegs. So ging es zuerst vom Hotel westwärts zum Kiewer Höhlenkloster, welches eine eindrückliche Architektur aufwies. Weiter ging es zur Mutter-Heimat-Statue und durch den angrenzenden Park bis zur nördlicher gelegenen "tiefsten U-Bahn-Station Europas", der Station Arsenalna. Von dort aus fuhr ich eine Station mit der Metro zum Maidan, wo ich nach einer kurzen Verschnaufpause weiter zur Glasbrücke ging und die Aussicht über den Dnepr genoss. 

Am dritten Tag besuchte ich das erste aviatische Highlight: Das Oleg Antonov Museum am kiewer Stadtflughafen lädt mit über fünfzig Exponaten. Darunter nicht nur kleine Jets von MiG oder Sukhoi, sondern auch grosse Vögel wie die Ilyushin Il-76, die Antonov An-71 oder eine Tupolev Tu-142. Die Zeit verging schnell an diesem geschichtsträchtigen und spannenden Ort!
Nach meinem Besuch im Oleg Antonov Museum ging ich zu Fuss zum Terminal des Stadtflughafens Kiew "Igor Sikorski" und hackte nach, ob mit meiner Buchung für den nächsten Tag alles in Ordnung sei...

Am Mittwoch flog ich das erste mal mit einer ukrainischen Maschine. Genauer: Mit einer Antonov An-24 der Motor Sich Airlines. Der Flug ging von Kiew ins westliche Lviv (Lemberg) an der polnischen Grenze. Die kommende Nacht blieb ich in Lviv und entdeckte die wunderschöne, historische Stadt zu Fuss. Besonders speziell sind die alten Strassenbahnen, welche sich durch die Innenstadt schlängeln. Bei einem feinen Nachtessen in der Altstadt liess ich den Tag ausklingen.

Am Donnerstag ging es, wieder mit einer Antonov, zurück nach Kiew. Doch zuvor bestieg ich noch den "Union of Loblin Mound", einen Hügel mit wunderbarem Ausblick über die Stadt und die Oblast. Der Heimflug war ruhig und der Anflug führte direkt über den Dnepr, nahe an der Mutter-Heimat-Statue vorbei.

Am Freitag besuchte ich dann mit der U-Bahn die Dnepr-Insel "Hydropark". Auf dieser Insel gibt es verschiedene Badestrände und Freizeiteinrichtungen. Da es nun aber bereits kalt war, war die Gegend eher ausgestorben und ich beschloss die östliche Seite des Dneprs noch etwas zu erkunden. Nach einem langen Spaziergang und dem Besuch einer der vielen Malls ging es mit dem Taxi zurück ins Hotel. Für den nächsten Tag musste ich fit sein.

Am Samstag fuhr ich mit dem Taxi erneut an den Stadtflughafen, denn ein weiterer Flug stand an. Diesmal sollte es nach Odessa am Schwarzen Meer gehen. Sollte... Denn beim Check-In, welcher jeweils zwei Stunden vor Abflug für knapp 30 Minuten offen war wurde meine Buchung nicht gefunden. Gestresst musste ich also im internationalen Terminal neue Tickets organisieren. Die nette Dame machte dies rasch und unkompliziert, und nur etwa 10 Minuten später war ich eingecheckt und bereit für den dritten Antonov-Flug diese Woche!
In Odessa angekommen bezog ich das dortige Hotel und machte mich zu Fuss auf Erkundungstour. Besonders eindrücklich war das Quartier um das Opernhaus von Odessa sowie der griechische Park. 

Am Abend musste ich dann leider die Schattenseite kennen lernen: Nach einer langen erfolglosen Restaurant-Suche bin ich in der Nähe des Hotels fündig geworden und ass einen Salat. Die folgende Nacht lernte ich die Hoteltoilette sehr gut kennen...

Am Tag darauf ging es mir noch nicht wirklich besser. Dennoch entschloss ich mich gegen Mittag das Hotel zu verlassen. Ich spazierte noch etwas an der frischen Luft, besuchte noch den Bahnhof und ging anschliessend zurück um mich zu erholen.

Am Montag morgen früh ging es dann mit Motor Sich und (wer ahnt es) einer Antonov An-24 zurück nach Kiew. Der Flug in den Morgenstunden war wunderschön!
Zurück im Hotel ruhte ich mich noch einmal einige Stunden aus und ging anschliessend noch etwas in die Stadt, besuchte den Kiewer Bahnhof und organisierte ein Nachtessen.

Am Dienstag hatte ich grosse, verrückte und abenteuerliche Pläne: Um zehn Uhr morgens konnte ich bei EuropCar am Stadtflughafen meinen Hyundai Accent abholen! Mit dem Mietwagen fuhr ich an den Flughafen Boryspil um dort etwas zu spotten. Dabei musste ich feststellen, dass die Autobahnen in der Ukraine sowohl von Sportwagen als auch von Fahrrädern benutzt werden, und das ländliche Hauptstrassen eher einem Feldweg gleichen.

Am Mittwoch erwartete mich nun das letzte grosse Highlight meiner Ukraine-Reise: Ich fuhr frühmorgens mit einer geführten Gruppe nach Chernobyl und habe den Tag in der "Exclusion Zone" verbracht. Diese Reise war äusserst beeindruckend und wir hatten besondere Einblicke in die Städte Prypjat und Chernobyl. Auch der Tourguide war äusserst versiert und konnte uns viele Informationen zur Geschichte geben. Wir kamen erst spät am Abend wieder in Kiew an, wo ich umgehend ins Hotel zurück ging.

Am Donnerstag nahm ich dann bereits Abschied von Kiew und der Ukraine. Ich besuchte nochmals den Maidan, ging die Cherschtschatyk entlang (die populäre und pompöse Einkaufsstrasse in Kiew) und genoss den Abend bevor ich am Freitag den Heimflug mit einer Bombardier CS von SWISS antrat. Auch der Heimflug war wunderschön und ich genoss einen herrlichen Sonnenuntergang über dem Vorarlberg.

Die Reise in die Ukraine offenbarte mir einen völlig neuen Horizont: die frühere Sowjetunion ist überall präsent, und der Krieg im Osten ist nur zu bemerken wenn man die Augen offen hält. Ansonsten ist die Ukraine, besonders Kiew, eher westlich orientiert und man kommt gut zurecht. Besonders spannend war die Reise, da ich alleine unterwegs war. Dazu muss ich sagen, dass ich mich in Kiew, selbst am Abend nie unwohl gefühlt hatte. Das Land erschien mir aus heutiger Sicht als sicher und ich denke, dass ich Kiew und Lviv sicherlich wieder einen Besuch abstatten werde.